Ins Grüne schauen

Ich sitze und schaue ins üppige Grün. Nicht mehr - nicht weniger.

Die Augen entspannen sich, der Atem wird ruhiger, die Gedanken konzentrieren sich. Vogelgezwitscher dringt an mein Ohr. Ruhe. Das tut gut, das ist not-wendig. Immer wieder.

Dankbar bedenke ich den gestrigen Nachmittag, der mir manches an Nachdenklichkeit mit auf den Weg gegeben hat. Claudia und ich haben uns ein Haus von innen angesehen, das für das Projekt Gebetsoase von Interesse sein könnte. Ein wunderschönes altes Haus mit viel Potenzial  ...  großer, teilbarer Gruppen- und Andachtsraum, mehrere kleine Kammern für Übernachtungen, Räume für Gespräche und Gebet, ein herrlich wilder, parkähnlicher Garten - phantastisch  ...  und ganz viel Sanierungsbedarf - denn in dem Haus muss so gut wie alles neu gemacht werden - von Dach bis Elektrik, Heizungsanlage ... einfach alles.  Soll doch der liebe Gott das Problem lösen, wenn die Gebetsoase sein soll! Ich lehne mich entspannt zurück.

Das größere Problem ist die Gesamtkonzeption. Viel Potenzial heißt ja noch lange nicht, dass alles, was möglich und denkbar ist, auch tatsächlich gut und "dran" ist. Genau hier bin ich so dankbar für das Geschaute (und das Wort ist bewusst gewählt - es geht nicht nur um das Sehen mit den Augen, sondern um das Schauen - eine Vision haben). Es klärt die Fragestellungen. Was genau heißt "Gebetsoase" für Wüstenjerichow? Wie sehr ist EINsamkeit entscheidend? Oder braucht es eben auch Möglichkeiten der Begegnung? Ein solches Haus würde ja auch letzteres bieten. Doch ab wann würde ein solcher Ansatz schlicht ein weiteres "Tagungshaus" werden, von denen es schon so viele gibt? Würde es den Charakter der Stille verlieren, sobald Menschen aufeinander prallen? Oder aber liegt gerade darin ein Reiz, der neue Impulse schenkt?

Das Objekt liegt direkt an einem Bach, dessen Rauschen man hört.  Ich denke an Jesaja 43,19: "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde." Gerne will ich hören, was Gott mir zu sagen hat. Gerne will ich hören, was andere für Eindrücke haben. Ich will lernen, offen sein, mich beschenken lassen ... nicht unbedingt mit fertigen Lösungen, aber mit kreativen Ideen, produktiven Einfällen, Bereitschaft und Geduld.

Die Augen entspannen sich, der Atem wird ruhiger, die Gedanken konzentrieren sich. Vogelgezwitscher dringt an mein Ohr. Ruhe. Das tut gut, das ist not-wendig. Immer wieder.

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