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Während ich diese Zeilen schreibe, hat in Deutschland gerade die Fastenzeit begonnen. In England, wo ich mich gerade befinde, beginnt sie erst in 20 Minuten. Ich darf also noch. cool

An diesem Abend habe ich einem faszinierenden und ernüchternden Vortrag von Rev. Dave Bookless, einem anglikanischen Pfarrer gelauscht und bin noch immer ganz neben mir, ob der Fakten und biblischen Überlegungen, die dieser renommierte Umweltaktivist von der Christlichen Organisation a rocha vorgetragen hat.  Hier ein paar Stichpunkte. Die größten Umweltbedrohungen sind laut Bookless (in der Reihenfolge):

  1. Der Verlust der Biodiversität.  Seit 1970 hat die Tierwelt 60% ihrer Population verloren - und der Trend geht unvermindert weiter. Ein kleines Beispiel: Erinnern Sie sich noch an die Windschutzscheibe an einem warmen Sommertag nach einer Fahrt auf der Autobahn? Sie mussten regelmäßig die Scheibenwischer betätigen, um die vielen Insekten von der Windschutzscheibe zu entfernen... Der Verlust der Insekten hat aber katastrophale Folgen für das ökologische Gleichgewicht.
  2. Klimawandel.  Ein kleines NASA Video zeigt sehr dramatisch die tatsächliche Wärmeentwicklung seit 1947 ... sehenswert!
  3. Bevölkerungswachstum und Konsum. Nicht das Bevölkerungswachstum als solches ist so bedrohlich, sonder der Verbrauch der Ressourcen, der damit einhergeht. Wenn alle Menschen so viel Ressourcen verbrauchen würden, wie Menschen der hochentwickelten Länder, bräuchten wir bereits drei Erden. Oder anders ausgedrückt ... im April habe ich bereits alle Ressourcen verbraucht, die mir für ein Jahr zustünden, damit die Erde weiterhin für alle da ist.
  4. Wasser. Insbesondere die armen Länder haben zunehmend eine Wasserknappheit. Die indische Metropole Dehli hat schon jetzt massive Wasserprobleme Berechnungen gehen davon aus, dass die Wasserversorgung dort in 10 Jahren endgültig zusammenbricht. Und auch in den Auseinandersetzungen zwischen Indien und Pakistan im Punjab (übersetzt: Fünfstromland) drehen sich letztlich um Wasser. Die Kriege der Zukunft, so Bookless, werden um Wasser sein.
  5. Ressourcenknappheit.  Ernten sind nicht mehr sicher - aufgrund der Klimaänderungen, Ressourcen werden knapper.  Dennoch gehen Expertenschätzungen davon aus, dass im Vereinigten Königreich 53% aller Lebensmittel vernichtet werden, addiert man den Verlust in Farmen, Supermärkten, Restaurants und private Verbraucher zusammen.  Eine Obszönität, wie Bookless anmerkte.

Das war wahrlich schwer verdauliche Kost.  Gleichwohl war der evangelikale Pfarrer der anglikanischen Kirche keineswegs fatalistisch oder pessimistisch, sondern setzte sich leidenschaftlich für unsere Möglichkeiten ein, Dinge zu verändern. Dabei verwahrte er sich gegen eine Theologie, die dem Schutz der Erde keine Bedeutung beimisst, weil etwa nur das Seelenheil bedeutsam sei (etwa mit Parolen wie "save souls, not seals" ). Er zeigte einen biblischen Befund auf, der immer wieder die ganze Schöpfung betont und nicht nur das Wohl des Menschen. Selbst der bekannte Text Johannes 3,16 spricht von der Welt - griechisch: kosmos - die Gott liebt. Und tatsächlich meint kosmos eben genau das - die ganze Schöpfung, nicht nur die Menschen. 

In einem netten Spiel mit Buchstaben unterschied er schließlich zwischen EGO (für Ichhaftigkeit: Mensch an der Spitze einer Hierarchie, der sich alles andere unterzuordnen zu hat), ECO (für Ökologie: der Mensch nur eine Art unter vielen Arten, vielleicht so gar besonders gefährlich) und stellte diesen beiden Denkmodell ein drittes entgegen: THEO (für Theologie: Es ist Gottes wählt - mit allem was darinnen ist).  Anstatt zu singen "My Jesus, my saviour..." (ein Lied, das Bookless sogar mag, dessen Text aber die EGO Position impliziert), wäre es vielleicht besser zu singen "He's got the whole world in his hand". 

Zum Abschluss seines Vortrages brachte er noch ein paar praktische Beispiele aus der Arbeit von a rocha  sowie der anglikanischen Kirche vor, die sich für den Schutz der Schöpfung einsetzten.

Was hat das jetzt alles mit der Fastenzeit zu tun?

Für den Fall, dass es noch nicht deutlich geworden wäre... In der Frage und Antwortzeit nach dem Vortrag im Rahmen der Diversity Lectures am Newbold College in England wurde Bookless gefragt, welche drei praktischen Empfehlungen er für die Fastenzeit geben würde.  Dies sind die Dinge, die er nach einem Augenblick des Nachdenkens nannte:

  • Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum. Natürlich können Sie auch ganz auf vegetarisch oder vegan umsteigen, doch allein schon die Reduktion macht einen wesentlichen Unterschied.
  • Reduzieren Sie Ressourcenverschwendung im Verkehr.  Reisen Sie weniger. Nutzen Sie Mitfahrgelegenheit. Benutzen Sie das Fahrrad häufiger.
  • Pflanzen und pflegen Sie. Zum Frühling hin sollte wir pflanzen, aber Angepflanztes behutsam hegen und pflegen. 

Inzwischen ist auch in England die Fastenzeit angebrochen... und ich gehe sehr nachdenklich schlafen.

 

Vortrag von Rev.Dave Bookless (in Englisch)

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