Wir teilen das Entsetzen über den furchtbaren Tod mindestens zweier Menschen und das Bangen um Schwerstverletzte und Traumatisierte von Halle.

Eigentlich sollte der heutige Tag daran erinnern, dass sich vor 30 Jahren tausende von Menschen in Kirchen der DDR versammelten und für den Frieden beteten, um dann ganz "protestantisch" auf die Straße zu ziehen. Eigentlich sollte der heutige Tag, Yom Kippur, für Juden in Deutschland wie in aller Welt ein Tag des Gebets, der stillen Einkehr sein. Höhepunkt des jüdischen Kalenders: der große Versöhnungstag. Statt dessen Bilder von tödlichen Schüssen, von Terror und Tötungswillen, gesteuert von einer hasserfüllten Ideologie. Und plötzlich wurde das "Gebet" und wurde die "Versöhnung" zum Randereignis in den Medien. Ein perfider Plan scheint aufgegangen.

Und doch - oder gerade deshalb wollen wir bezeugen: „Gott sitzt im Regimente“ (Paul Gerhardt)

Nicht auszudenken, wäre der Attentäter heute in die Synagoge gelangt, wo etwa 60 Juden miteinander zum Gebet versammelt waren.

Nicht auszudenken, wären vor 30 Jahren die Panzer gerollt, als tausende betender Menschen aus der Leipziger Nikolaikirche und andernorts auf die Straßen strömten.

Nicht auszudenken, wenn wir dem Impuls der Wut über „die Nazis“ oder „die Linken“ nachgäben, und damit der Ideologie des Hasses und der Ausgrenzung Raum böten.

Nein, der Ruf zum Gebet und zum Frieden und zur Versöhnung ist eben doch die nachhaltigere, hoffnungsvollere Antwort. Das gilt es zu bezeugen - immer wieder, klar und deutlich: gestern, heute und auch morgen. Wir beugen uns nicht Machthabern, Ideologen, Gewalttätern, sondern vor dem Gott, der die ganze Welt in seinen Händen hält.

Schalom.

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