Wie predigt man über Hoffnung, ohne sich einfach nur in frommen Phrasen zu ergehen? Damir Mitrov hat es in seiner Predigt an der Theologischen Hochschule Friedensau eindrucksvoll vorgemacht.
Sein Predigttext aus Klagelieder lautete:
Dieses aber will ich meinem Herzen vorhalten, darum will ich Hoffnung fassen: 22 Gnadenbeweise des HERRN sind’s, dass wir nicht gänzlich aufgerieben wurden, denn seine Barmherzigkeit ist nicht zu Ende; 23 sie ist jeden Morgen neu, und deine Treue ist groß! 24 Der HERR ist mein Teil!, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.
Klagelieder 3, 21-24. (Schlachter)
Soweit so gewöhnlich. Fromme Postkartenidylle. Doch dann steigt der Prediger in den Kontext ein. Was steht wirklich in dem Buch „Klagelieder“, was hat der Prophet Jeremia tatsächlich gesagt?
Nur drei Verse zuvor heißt es noch: „Ich sprach: Mein Ruhm und meine Hoffnung auf den HERRN sind dahin.“ (Klagelieder 3,18) Nich umsonst heißt ja dieses Buch der Bibel „Klagelieder“. Und Gott lässt es zu, dass solche schonungslose Ehrlichkeit und Verzweiflung in der Bibel fest gehalten werden.
So wird auch diese Predigt offen und ehrlich und spricht von der Hoffnung, die eben nicht durch die Bedrängnis trägt, sondern erst am Ende der Bedrängnis steht. Herausfordernde, provozierende – zugleich exegetisch wunderbar begründete Gedanken von großer Tiefe und Eindrücklichkeit.
Und gerade weil Mitrov kein „immer fröhlich, immer fröhlich, alle Tage Sonnenschein“ predigt, wird hier echte Hoffnung lebendig. Und stärkt. Für heute.
Damir Mitrov war zum Zeitpunkt seiner Predigt Theologiestudent an der Theologischen Hochschule Friedensau. Bei seiner Graduation mit dem Master of Arts in Theologie im Oktober 2026 wurde er für Exzellenz und Engagement für die Hochschulgemeinschaft mit dem Waltraud-und-Herbert-Blomstedt-Preis ausgezeichnet.