Heute haben wir Helga Hummel zu Grabe getragen. Sie war mit 84 Jahren aus dem Leben gerissen worden - buchstäblich, denn die Pastorentochter und Pastorenwitwe schien kerngesund und topfit.
Jeder Todesfall erinnert uns an die eigene Endlichkeit, rüttelt wach - insbesondere, wenn er uns so überrascht wie in diesem Fall. Helga war aktiv in der Gemeinde, freundlich, warmherzig, verschmitzt. Sie reiste noch gern - und ist tatsächlich während des Besuches einer Jugendfreundin ... mitten im Gespräch ... für immer verstummt.
Sie hinterlässt zwei Kinder mit Schwiegerkinder, fünf Enkelkinder und zwei Urenkel, die heute alle Abschied nehmen mussten. Sie hinterließ aber auch eine handgeschriebenes Dokument "Etwas aus meinem Leben erzählt" ... in welchem viele berührende Geschichten aus ihrem Leben als Pastorenfrau in der DDR nachzulesen war. Am Ende ihrer Aufzeichnungen, die Grundlage meines Nachrufes bei der Trauerfeier wurde, stand ein Gebet, das mich so sehr berührt hat, dass ich die Tochter darum bat, es hier abdrucken zu dürfen. Es ist Ausdruck von tiefer Ehrlichkeit und hohem Vertrauen. Obendrein ist es voll poetischer Bildsprache. Hier ist es:
Manchmal habe ich keine Freude mehr.
Manchmal habe ich keine Liebe mehr.
Manchmal habe ich keine Hoffnung mehr.Immer,
wenn ich mich aufmache und in die falsche Richtung gehe,
mich im Wald der Sorgen verirre.
Dann, Herr,
nimmst du mich an der Hand,
ziehst mich aus der Dunkelheit,
zeigst mir
ein Stück Himmel.Manchmal musst du mich umdrehen,
dann füllst du mich neu
mit Freude,
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Ich liebe meine Blumen -
wie schön sie sind.Die Farben des Rittersporns leuchten schon von weitem.
Der Duft der Rosen liegt über dem Garten.
Mein Gott, mein Vater,
ich danke dir
für die Freude,
die du mir damit machst.Wie die Blumen
so möchte ich mich öffnen.
Ich möchte den Mut haben,
nein zu sagen
zu dem, was mich
ersticken könnte.Nur so werde ich durch dich
aufblühen.
Ein herzliches Dankeschön
für die Freigabe des Textes.