Kreativität gehört zu meinen Gaben – und Aufgaben. Ich liebe Zeit am Küchentisch und höre gerne zu. Es ist mir eine Freude, einfach mit Menschen zusammenzusitzen und über das Leben ins Gespräch zu kommen.
Am Pfingst-Wochenende predigte ich. Gleich in zwei Gemeinden, ergänzt durch einen Kreativ-Moment und mit meiner Stimme im Musikteam. Der Gedanke, der mich in diesem Jahr schon in der Vorbereitung bewegte: nicht alle müssen alle Sprachen sprechen. Nicht jede, nicht jeder, muss alle ansprechen. Mehr als in den Vorjahren ging mir auf, dass alle von Gott unterschiedliche Sprachen empfingen, die sie einsetzten. Die Leute kamen damals aus verschiedensten Regionen und Nationen zusammen. Ich stellte mir auch unterschiedliche Generationen und familiäre Hintergründe vor. Sie hörten vertraute Klänge und waren angesprochen – doch nicht allein durch eine Person.
Mich hat es entlastet, dass nicht alle durch mich verstehen müssen, was Gott heute noch tut. Nicht alles müssen durch meine Worte, meine Art angesprochen sein. Das entlastet mich! Gerade in meinem Dienst als Pastorin. Ich bin nicht dafür verantwortlich, dass alle, egal wo her sie kommen, sich angesprochen fühlen. Meine Worte, meine Auswahl an Liedern, meine Bilder, müssen nicht für alle stimmen und ansprechend sein. Was Gott mir gibt, darf hörbar sein, kann ich einsetzten – und gespannt sein, wer angesprochen wird. Denn Gott tut heute noch Wunder, berührt Herzen – auch durch meine „Art“. Und andere werden durch andere angesprochen.
Pfingsten hatten wir als Ehepaar zu einem „Emmaus-Abend“ eingeladen. Inspiriert durch die biblische Geschichte, als die Freunde von Jesus mit ihm auf dem Weg nach Emmaus ins Gespräch kamen und dann gemeinsam zu Abend aßen, luden wir Freunde zu einem Mitbring- Abendessen ein. Keine Agenda, kein Stress mit Vorbereitungen, einfach Gemeinschaft, Kennenlernen, über das Leben und eigenes Erleben ins Gespräch kommen.
Hatte ich in den Predigten zu Pfingsten noch daran erinnert, dass ich als Jugendliche nach Sibirien wollte, um den Menschen dort von Jesus zu erzählen, erlebte ich wie er selbst heute durch Begegnungen zu mir sprach. Mission war damals für mich ein großes Thema und in der Schule lernte ich Russisch, eine Sprach, die ich liebte – und die heute sehr brach liegt, weil ich sie nicht mehr spreche. Dass ich die Sprache damals nicht studierte, hatte familiäre Gründe und die Schlaufen meiner Berufung waren vielfältig und machen in der Rückschau Sinn.
Kinder aus Russland berührten am Wochenende mein Herz, als sie die Lieder auf Deutsch sangen, die sie von mir gelernt hatten. Beim Emmaus-Abend berührte mich die Rückmeldung zu meiner Kreativität, die auf meiner Webseite zu entdecken ist, und die andere bewegte sich auf den Weg zu machen. Beim Abendbrot brachten wir Menschen an einen Tisch, die sich noch nicht kannten, und ich selbst lernte viel über das Leben, staunte über Lebenswege, und am Ende stimmte ich gerne das Lied an: „Herr, bleibe bei uns“ – denn er war mitten im Alltäglichen und Unerwarteten da.
Das Wochenende hat mich ermutigt mich mit dem einzubringen, was mir entspricht, und mir Freude macht. Die Begegnungen fanden so entspannt statt, weil ich anderes gelassen habe und mich konzentriert habe, auf das, was meinen Möglichkeiten und Aufgaben entspricht. Auch das ermutigt mich für die Zukunft, das zu tun, was mir entspricht. Ob es anspricht? Das hängt nicht an mir. Ob es Herzen berührt oder verändert? Das ist nicht meine Aufgabe. Erzählen und Leben schon. Doch so, wie es mir entspricht und Gott es mir geschenkt hat. Durch meine Art.
Wir wünschen ein nachklingendes Pfingsten
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