Drei Ereignisse haben mich innerhalb von weniger als zwei Wochen mit dem Thema künstlicher Intelligenz auseinandersetzen lassen, sowohl auf der fachlichen als auch auf der erlebnisorientierten Ebene.
Der diesjährige Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) setzte sich unter dem Motto „gem|einsam“ u.a. mit KI als „Antwort“ auf die zunehmende Einsamkeit von Menschen auseinander. Dabei wurden Studien referiert, die KI als die beliebteren Therapeuten erscheinen ließen. Und ich verstand zum ersten Mal, weshalb KI so beliebt ist… Sie ist immer verfügbar, immer verständnisvoll, immer einfühlsam – einfach göttlich! (Ist Gott nicht genau so: barmherzig und von großer Güte und immer ansprechbar?)
Nur … kann man dieses Phänomen auch anders beschreiben: KI ist aalglatt, redet dir immer nach dem Mund, bestätigt alte Meinungen aufgrund alter Informationen. Im besten Fall ein Schmeichler. Da ist nichts wirklich kreativ und letztlich auch nicht heilsam.
Veni creator spiritus.
Augenfällig wurde es auf einer anderen Konferenz, die ich dieser Tage besuchte. Der Gastredner, ein afrikanischer Pastor mit einem nicht ganz leicht zu verstehenden Dialekt und Akzent, sollte per KI live und quasi simultan an der großen Leinwand übersetzt werden. Zu lesen waren Wortbrocken, Satzfetzen, die keinen Sinn ergaben und offensichtlich falsch waren. Spätestens beim Wort „Investmentfonds“ war klar, die Übersetzungssoftware phantasiert. Der Veranstalter schaltete auf menschliche Übersetzung um. (Übrigens nicht die einzige Erfahrung dieser Art…)
Ecken und Kanten, Menschliches – auch all zu Menschliches – sind nötig, damit Begegnung, wirkliche Begegnung stattfindet. Deshalb amüsierte mich eine Mail meiner alma mater. Andrew, ein KI generierter Avatar, sei jetzt für die Betreuung der Alumni zuständig. Dieser Andrew erklärte mir, interessiert an meinem Ergehen zu sein und lud mich ein, ihm doch zu schreiben, was mich mit der Universität verbinde. Eine Maschine hat Interesse an mir! Welche Freude…
Nein, ich bin nicht technikfeindlich. Ich bin fasziniert von den Möglichkeiten von KI. Aber es handelt sich um Maschinen, die Realität abbilden, nicht schaffen, die menschliche Beziehung simulieren, nicht leben, die den menschlichen Geist und schon gar nicht den göttlichen Geist ersetzen können. Neue Möglichkeiten bringen neue Versuchungen – auch für Menschen in geistlicher Berufung.
Segen ex machina, Predigten aus dem Algorithmus, Seelsorge aus der KI?
Ab wann wird KI zum Gott?
Ein Anstoß zum Nachdenken, zur persönlichen Reflexion … nicht zur Nachfrage bei KI.
Bild: Shutterstocks